Cello Nr. 25121
Zu meinem zuletzt gebauten Cello – fiktive Kopie eines Instrumentes aus dem frühen 19. Jahrhundert. Instrument Nr. 25121
Wie sieht ein Cello aus, das vor vielleicht 150 Jahren gebaut worden ist, mit einem gut auspolierbaren Lack versehen, sich in den Händen von fünf Generationen fleißig spielender Musiker befunden hat, und regelmäßig sorgfältig gepflegt worden ist?
Wir wissen es: ein solches Instrument, auf diese Art durch anderthalb Jahrhunderte gekommen, hat sich in seinem Aussehen, seiner Anmutung erfreulich verändert.
Wir sind heute gewöhnt an das Aussehen der sogenannten neueren Manufakturinstrume, gegen die ich wirklich nichts sagen möchte: sie können sehr gut gebaut sein, sie können auch sehr gut klingen! Doch - uA - in drei wesentlichen Merkmalen unterscheiden sie sich vom handgebauten Meisterinstrument.
Zum einen gleichen sich die Modelle der Manufakturinstrumente stark. Zum anderen – auch wenn bei ihrem Bau noch einiges an Handarbeit geleistet wird – sind sie dank sehr guter Kopierfräsen in einer gewissen handwerklichen Sicht „überperfekt“ gebaut, und als letztes sind die modernen Instrumentenlacke so beschaffen, dass sie nicht wirklich altern können. Der Lack ist für eine Politur zu hart, die vor der Lackierung aufs Holz aufgebrachte Farbbeize nimmt dem Aussehen des Holzes etwas von seiner Lebendigkeit: in ihrer perfekten Gleichförmigkeit bieten sie dem Auge zuwenig "Aufregendes".
Dieses Cello ist der Versuch, einerseits den Anschluß zu finden an ein altes Instrument, andererseits – und das war mir noch wichtiger – ihm optisch die Möglichkeit zu geben, „in Würde zu altern“. Denn es ist dieser Alterungsprozess der Streichinstrumente, die wir schätzen und der sie - unter Anderem - wertvoll macht.