Geigenbauwerkstatt
Hansgeorg Ulrich
Aalener Straße 53
73529 Schwäbisch Gmünd
Telefon 07171/8744820
mobil 0151/58119298
mail@ulrich-geigenbau.de
https://www.ulrich-geigenbau.de

Öffnungszeiten:
Besuchszeiten bitte nach Vereinbarung. Danke!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Exposé Baß

Exposé zum Bass (Nr. 2261), geschrieben vom Eigentümer:

 

7/8 Kontrabass aus Markneukirchen um 1930

Ich biete einen sehr schönen, klangvollen Kontrabass aus dem vogtländischen

Markneukirchen zum Verkauf an. Das Instrument wurde um 1930 von dem Ulmer

Theatermusiker Fritz Kaiser erworben, der, 1906 geboren, noch unter dem jungen Herbert

von Karajan gespielt hat, der seine legendäre Dirigentenkarriere bekanntlich von 1929 bis

1935 am Ulmer Stadttheater begonnen hat. Der nur 1½ Jahre ältere Kaiser war bei seinem

Tod 1994 tatsächlich der letzte noch lebende Musiker aus Karajans Ulmer Zeit. In einer

dreiteiligen TV-Dokumentation von 1993 über den berühmten Dirigenten hat Marcel Prawy

den 87-jährigen Kaiser interviewt, wobei dieser auch kurz auf seinem Instrument gespielt

hat. Ich hatte das Glück, diesen Kontrabass von einem Enkel Kaisers erwerben zu können.

Laut dessen Aussage hat sein Großvater das Instrument sehr gepflegt, es wohl sogar im

Schlafzimmer aufbewahrt. Das bestätigten mir auch ältere Kollegen, die noch mit Kaiser am

Theater gespielt haben.

Das Instrument besitzt eine Mensur von 107 cm, ist also als 7/8 Bass zu bezeichnen.

(Anmerkung Hg Ulrich: Die schwingende Saitenlänge beträgt 105,9 cm!)

 

.... Der Bass ist viersaitig, weist die sog. Busseto-Form auf (abgerundete Zargen, voluminöser Korpus) und

hat einen vollen, warmen Klang. Er kann auch in Solo-Stimmung gespielt werden. Im

Inneren befindet sich ein Zettel mit der Aufschrift „Hermann Geipel Söhne Markneukirchen“.

Gemäß freundlicher Auskunft von Dr. Enrico Weller vom Musikinstrumenten-Museum

Markneukirchen waren die Geipels keine Geigen- bzw. Bassbauer, sondern lediglich Händler,

damals sogenannte „Fortschicker“, die sich um die Vermarktung von Instrumenten

kümmerten. Sie galten als reichere Leute als die Instrumentenbauer selbst. Wer den Bass

letztlich gebaut hat, lässt sich trotz intensiver Recherche leider nicht mehr klären; Anfragen

mit Fotos an die Firmen Meyer und Poellmann ergaben, dass man bei Meyer eher auf

Poellmann tippte und umgekehrt. Auch der Name Wilfer wurde von einem ehemaligen

Kollegen Kaisers ins Spiel gebracht. Nach einer Abbildung im Standardwerk „Das Kontrabass-

Buch“ von Jonas Lohse (Friedberg, 2018, S. 219) würde ich persönlich eher auf Alfred Meyer

tippen. Laut Dr. Weller wäre die Vorstellung nicht ungewöhnlich, dass die bekannten

Bassbauer ihre Instrumente in diesen wirtschaftlichen Krisenjahren auch anonym durch

kleinere Händler vermarkten mussten.

Das Instrument ist mir in den 17 Jahren, während derer ich es spielen durfte, ans Herz

gewachsen; nun wird mir der Umgang mit ihm altershalber zu anstrengend und ich habe

mich schweren Herzens zu einem Verkauf entschlossen.

Wir benutzen Cookies
Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.